Replik zum Ausblick! Part VIII!

Kurze Unterbrechungen erhöhen die Spannung! Für den Cliffhanger sorgte diesmal Kollege giro mit einem Stück geborgter Poesie.

Aber dem Gesetz der Serie ist es geschuldet, dass hier das nächste Kapitel des Ausblicks der Intendanz der Kulturhauptstadt betrachtet wird:
Die Szenen fordern und fördern!

Und dieses Plädoyer hätten sich wohl die BeobachterInnen der Kulturhauptstadt nicht erwartet: „Zu den wesentlichsten Anliegen jeder städtischen Kulturpolitik gehört die Förderung jener kreativen und künstlerischen Kräfte, die sich in Linz und Oberösterreich als Freie Szene verstehen. Es geht dabei um den vitalen Kern des kulturellen Geschehens und um eine Energie, die sich aus Leidenschaft und im eigenen Auftrag einbringt in die Gesellschaft und in deren Wahrnehmung.“
Das klingt wie aus dem Kulturentwicklungsplan der Stadt Linz abgeschrieben, wo es heißt Um das große künstlerische Potenzial der Freien Szene auch in Zukunft in Linz zu halten, muss die Förderung der Freien Szene konsequent und nachhaltig wirksam weitergeführt und ausgebaut werden. Wohlgemerkt jener Kulturentwicklungsplan, dessen Wichtigkeit mit Fortdauer der Kulturhauptstadt von den Intendanz mehr und mehr in Abrede gestellt wurde.
Aber im Prinzip muss – zu beiden Aussagen – ein klares „JA“ gesprochen werden.

Und auch der Abschluss dieses Kapitels ist etwas, was in weiteren Diskussion für ebensolchen Stoff sorgen sollte:
Denn es gilt, bloße Bequemlichkeit aufzukündigen, aber den Hunger nach starken, eigensinnigen Zeichen und nach neuen existentiellen Entwürfen ernst zu nehmen.
Und ja, die Bequemlichkeit ist die Gefahr für uns alle. Das zurechtrücken der Möbel im eigenen Schrebergarten ist immer vordringlich. Aber auch hier darf gefragt werden, wo sie denn herrührt diese Bequemlichkeit. Die ist nicht ausschließlich selbst verschuldet. Sondern sie ist – in weiten Teilen – politisches Kalkül. Die die „bequem“ sind werden nicht aufbegehren. Darum werden sie durch – geringe – Zugeständnisse ruhiggestellt aber sie lassen sich auch ruhigstellen.
Heinrich Heine meinte schon in Deutschland Ein Wintermärchen dazu, als der dem kleinen Harfenmädchen lauschte:
„Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.“

Verfasst von luepke am 28. April 2010 - 16:48.

irgendwie spannt sich da mit der angeblichen und tatsächlichen "bequemlichkeit" ja der bogen zu deinem beitrag solidaritätsfalle vom 13.april... letztendlich ist es ja natürlich eine politische frage, wer und was als förderungswürdig beurteilt wird. und um diese frage darf man sich ja auch als interessensvertretung nicht zur gänze herumdrücken - auch wenn diese frage oft weh tut. vielleicht ist diese frage sogar die eigentliche kampfzone...?

anders gefragt: bin ich bequem genug, um gefördert zu werden? und heisst der umkehrschuss, dass ich aus einer angelehnten/gestrichenen förderung meine politische gefährlichkeit ablesen kann?
wohl kaum ;-)

vielleicht täte uns so ein kulturkampf gar nicht schaden - endlich wieder ein grund zum blöd schauen... und zum selber positionieren.

Verfasst von stefanhaslinger am 29. April 2010 - 9:51.

ich glaube nicht, dass die frage wer oder was förderungswürdig ist, die eigentliche kampfzone ist. wenn es schon eine kampfzone gibt, dann ist es vielmehr die, wie und ob förderungsentscheidungen auf politischem willen bzw. goodwill passieren. diese vermutung existiert und wird auch immer wieder von politischer seite untermauert. d.h. die frage der sich eine interessenvertretung stellen muss, ist, in wie weit künstlerische/kulturelle arbeit am gängelband parteipolitischer interessen (denn es geht nicht um gesellschaftliche grundfragen) hängt.
dass aus einer abgelehnten förderung eine politische gefährlichkeit abgelesen wird, ist ja auch nur bequemlichkeit. denn dann muss ich ja nicht mehr politisch arbeiten.
aber zu deinem letzten absatz: wir alle, kupf, freie szene, aktivistInnen müssen uns in der nächsten zeit positionieren und das klar und deutlich. und diese positionierung kann nicht eine "klassische" gegenhaltung sein, sondern muss sich damit beschäftigen, dass die politik bzw. die parteien wie wir sie kennen, an gestaltungsmacht verlieren und in selbstreferenzieller
klientelpolitik stagnieren. hierzu müssen wir uns positionieren!

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